Das erste Capitel. (pag.5 - pag.12)

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(...)

Z. 29 Europö – [sic]; hier steht im Satz eine falsche Ligatur: œ (= ö) statt, wie wohl beabsichtigt, æ (= ä).

Z. 34f Phillipus der Andere – Philipp II. (s. Geist 0/24)


 

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Z. 1f die Schiff=Armada – 1588 sandte Philipp II. vergeblich seine Kriegsflotte (die berühmte ´Spanische Armada´) gegen England aus, zum Sturz von Elisabeth I.

Z. 10 An. 1609. – Waffenstillstand mit den südlichen Provinzen der Niederlande, der bis 1621 dauerte (die nördlichen Provinzen hatten sich schon 1581 für unabhängig erklärt). Der Autor verwechselt hier allerdings Philipp II., der 1598 verstarb, und seinen Nachfolger Philipp III. (*1578; †1621), König von Spanien 1598 bis 1621.

Z. 24 Philippus der Dritte – Philipp III. (s. Geist 6/10)

Z. 25 Philippus der Vierdte – Philipp IV. (*1605; †1665), König von Spanien 1621 bis 1665.

Z. 26 vereininigten – [sic], korrigiert in Geist b:vereinigten

Z. 30 Carolus der Andere – Karl II. (*1661; †1700), König von Spanien 1665 bis 1700.

Z. 35 Malherbe ein Frantzösischer Scribent – François de Malherbe (*1555; †1628), französischer Dichter und Literaturtheoretiker. Das Wort ´Skribent´ verwendet der Autor hier vermutlich in wertender Absicht (´Schreiberling´), mit Blick auf die zahlreichen Gelegenheitsdichtungen Malherbes in seiner Rolle als Hofdichter (gefördert durch Heinrich IV., später durch Richelieu). Ursprünglich bedeutete Skribent ganz neutral ´Autor, Schriftsteller´, schon im 17. Jahrhundert aber verschob sich die Bedeutung ins Geringschätzige.[1] Malherbe setzte als einflussreicher Kritiker strenge formale und sprachlogische Maßstäbe; „für die Romantiker des frühen 19. Jh. ..., die sich von den literarischen Normen der Klassik zu befreien versuchten, war Malherbe der Prototyp des inspirationslosen Verseschmieds – ein Klischee, das noch heute oft sein Bild in der Literaturgeschichte bestimmt.[2]

Z. 39 Spannische Kranckheit – Vordergründig hier ein krankhafter Drang nach Universalmonarchie, etwas hintergründiger zugleich eine Anspielung auf die als französische Krankheit bekannte Syphilis (s. Geist 34/7).




[1] Grimm, Wörterbuch, Bd. 16, Sp. 1331, 22. Kaspar Stieler definiert 1695 ´Scribent´ durchaus neutral: „Scribenten, heisset man Schriftler / oder Leute / die Bücher schreiben: Andere nennen sie Autores“ (Zeitungs Lust, S. 230).

[2] Pinkernell, Namen, URL: www.pinkernell.de/romanistikstudium/Internet1.htm [01.01. 2010]

 

 

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Z. 3 dieses Königs – gemeint: Ludwig XIV.

Z. 10 angränden – [sic], korrigiert in Geist b:angränzenden

Z. 15 Carolus der Fünffte – Karl V., Kaiser (s. Geist 0/27)

Z. 15 nach dem vor Pavia erhaltenen Sieg – Schon einmal, im 16. Jahrhundert, war es zwischen Altem Reich und Frankreich um die Hegemonie in Europa gegangen, damals zwischen dem Habsburger Kaiser Karl V. auf der einen und dem französischen König Franz I. auf der anderen Seite. Damals aber – so die Botschaft des Autors, der diese Parallele wiederholt bemüht – wurde französischen wie habsburgischen Ansprüchen auf ´Universalmonarchie´ ernsthafter, letztlich erfolgreicher Widerstand von Seiten anderer Länder entgegengebracht. Die Schlacht bei Pavia fand am 24. Februar 1525 statt und endete mit der fast vollständigen Vernichtung der französischen Armee und der Gefangennahme Franz I.

Z. 16 Francisus der Erste – Franz I. (s. Geist 0/29)

Z. 31f zur Regierungs=Zeit Caroli des Fünften und Philippi des Andern beyde Könige in Spanien – Karl V. (*1500; †1558), Kaiser des Alten Reiches 1519 bis 1556, als Karl I. 1516 bis 1556 auch König von Spanien, und sein Sohn Philipp II. (*1527; †1598), König von Spanien 1556 bis 1598.

Z. 34 die Frantzösische Desseins – Dessein: „Vorhaben / Anschlag / Vorsatz[1]

Z. 35f die Printzen von Haus Nas=sau alleine – gemeint hier vor allem Wilhelm von Oranien (s. Geist 8/4)

Z. 36 fatalisch - fatal: „unglückbringend, unangenehm, lästig[2]



[1] Stieler, Zeitungs Lust, S. 193

[2] Grimm, Wörterbuch, Bd. 3, Sp. 1363, 1 

 

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Z. 2f Luxembourg … erobert und erstiegen – Am 4. Juni 1684 kapitulierte in den Spanischen Niederlanden die Festung Luxemburg vor den Truppen Ludwigs XIV.

Z. 4 Der eintzige Printz von Oranien – ´eintzig´ im Sinn von ´allein nur´. Gemeint ist Wilhelm III. von Oranien (*1650; †1702), ab 1674 Generalstatthalter der Niederlande, später (als Wilhelm II.) König von England und Schottland 1689 bis 1702. Als Gemahl von Maria II. Stuart evangelischer Schwiegersohn von Jakob II. (*1633; †1701), König von England und, als Jakob VII., König von Schottland 1685 bis 1688. „Charakteristisch – wenigstens für einen beträchtlichen Teil der antifranzösischen Publizistik auf dem Kontinent – war die ausgeprägte Panegyrik um Wilhelm von Oranien (...) Nicht nur in der englischen und niederländischen, sondern auch in der deutsch- und französischsprachigen Publizistik wurde er zum Sinnbild des treusorgenden, guten, gerechten, die europäische Freiheit liebenden und militärisch erfolgreichen Monarchen stilisiert.[1] Diese Verherrlichung Wilhelms setzte interessanterweise schon lange vor seiner Thronbesteigung ein. „Schon 1680 wird Wilhelm von Oranien ... in den Discourses upon the modern affairs of Europe angetragen, die liberties of Europe zu verteidigen.[2]

Z. 5 tentiren – „versuchen / sich etwas unterfangen[3]

Z. 9 disputirlich – „vom frühen 16. bis ins 19. Jh. die adj. Ableitung disputierlich ´strittig, erörterungsbedürftig, fraglich[4]

Z. 12f König von Groß=Bri=tanien – Jakob II. (s. Geist 8/4)

Z. 18 Und der dicke und tapfere Held zu Tisch der Marggraf von Grana – Ottone Enrico del Carretto, Marchese di Savona e di Grana, Conte di Millesimo (*1639; †1685), kaiserlicher Heerführer und Diplomat; Statthalter der spanischen Niederlande seit 1682 (s. Geist 54/21).

Z. 20 Charge = Amt

Z. 29 Schrank= und Gränz=städte – Was mit dieser Wendung gemeint ist, wird deutlicher an gleicher Stelle in Bißhero: „und andern benandten Städten / die als eine Scheidung zwischen Franckreich und den Staaden der vereinigten Niederlande liegen“ und in Esprit&Geist: „verflochtene und ver=bollwerckete Stätte“.

Z. 34 An. 1667. – Beginn des sog. Devolutionskrieges (1667-1668), in dem Ludwig XIV. nach dem Tod des spanischen Königs Philipp IV. (†1665) aus dem „Devolutionsrecht“ abgeleitete Erbansprüche an den Spanischen Niederlanden durchsetzen wollte. Der Frieden von Aachen (1668) beendete diese Auseinandersetzung.

Z. 36 Triplen Alliantzen – Dreifach-Allianz von England, den Niederlanden und Schweden, um im Devolutionskrieg zu vermitteln. Anders als vom Autor unterstellt wies diese Allianz aber Frankreich nicht etwa in die Schranken, sondern ließ ihm wesentliche Teile des Erreichten. „Der Erfolg der französischen Militäraktion gegen die Spanischen Niederlande war unstrittig“.[5]

 




[1] Kampmann, Vermächtnis, S. 216

[2] Schulze, Europa, S. 56

[3] Stieler, Zeitungs Lust, S. 234

[4] Deutsches Fremdwörterbuch, S. 712

[5] Press, Kriege, S. 414

 

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Z. 4f Widerstehet dem Teufel / so wird er von euch fliehen! – Bibelzitat, Jakobus 4,7 (s. Geist 66/37)

Z. 6f pe=netriret – „durchdringen / eine Sache wol begreifen[1]

Z. 11f Ma=dame und Herzogen von Portsmouth – eine der Mätressen Karl II., Louise Renée de Penancoët de Kérouaille (*1649; †1734), Baroness Petersfield, Countess of Fareham und Herzogin von Portsmouth.

Z. 12f als eine andere Dalila – Gestalt des Alten Testaments (Buch der Richter, 13-16). Dalila war die Geliebte Simsons, eines Helden des israelitischen Stammes Dan, den sie verriet und ihm dadurch seine übermenschlichen Kräfte nahm.

Z. 13f und den Sanson dieses Königreichs eingeschläffert – Sanson = Simson (s. Geist 9/12f). Gemeint: Jakob II., 1685 bis 1689 König von England und (als Jakob VII.) von Schottland. Er war schon 1672 - noch als Herzog von York - zum katholischen Glauben übergetreten.

Z. 15 Caroli des Andern – Karl II. (*1630; †1685), 1649 bis 1685 König von England, Schottland und Irland. 

Z. 16 die Stadt Dünnkirchen – Die Hafenstadt Dünkirchen (franz. Dunkerque; engl. Dunkirk) entwickelte sich im 16. Jahrhundert zum Wirtschafts- und Kriegshafen, gehörte dann nacheinander zu unterschiedlichen Ländern (Flandern, Niederlande, England), bis Ludwig XIV. 1662 Dünkirchen den Engländern abkaufte und anschließend von Vauban schwer befestigen ließ.

Z. 23 Monsieur de Rohan – Henri II. (*1579; †1638), Herzog von Rohan, Fürst von Leon, „letzter großer militärischer Anführer der französischen Protestanten und berühmter Staatstheoretiker der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. (...) R. war davon überzeugt, daß das Wissen um die Staatsräson hoch über dem Wissen von den Handlungen der Fürsten stehe. Deshalb stellte er bereits in der Einleitung dieser Schrift (De l’intérêt des princes et des Etats de la chrétienté von 1638/d. Verf.)fest: „Die Fürsten kommandieren den Völkern, und das Interesse kommandiert den Fürsten“.[2]

Z. 27 Angen – [sic], korrigiert in Geist b:Augen

Z. 32 Gottfried von Boullion – Gottfried von Bouillon (Godefroy de Bouillon, *um 1060; †1100), zunächst Herzog von Niederlothringen. Dem Aufruf Papst Urbans II. folgend brach er zum 1. Kreuzzug auf (1096 bis 1099). 1099 war er an der Eroberung Jerusalems beteiligt und wurde erster Regent des Königreiches Jerusalem.

Z. 38f An. 1551. – 1550/51 erregte Kaiser Karl V. auf dem Augsburger Reichstag große Unzufriedenheit unter den protestantischen Reichsfürsten, als er versuchte, ein auf dem katholischen Glauben basierendes starkes Kaisertum durchzusetzen. Im Vertrag von Torgau schlossen sich die Reichsfürsten deshalb 1551 zu einem Bündnis gegen Kaiser Karl zusammen und erhielten dafür Unterstützung von Frankreichs König Heinrich II., der dem Kaiser im Herbst 1551 den Krieg erklärte.

Z. 39 als Carolus der Fünffte die Protestirendens. Geist 9/38




[1] Stieler, Zeitungs Lust, S. 217

[2] BBKL, URL: www.bbkl. de/r/rohan_h.shtml [01.01.2010]. Rohan schreibtan anderer Stelle ...: ´Der Fürst kann sich täuschen, sein Rat kann korrumpiert werden, aber das Interesse allein kann niemals fehlen; je nachdem es gut oder schlecht verstanden wird, läßt es die Staaten leben oder sterben´“ (ebd). Gatien de Courtilz de Sandras zitiert übrigens Rohans Buch im Aufbau und im Titel seiner Nouveaux interets des princes de l'Europe.

 

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Z. 1 Henricus der Andere – Heinrich II. (*1519; †1559), König von Frankreich 1547 bis 1559.

Z. 3 Connestable von Montmorenci – Anne de Montmorency (*1493; †1567), als ´Connétable de France´ Oberbefehlshaber der Armee (oberster Kronfeldherr) zu Zeiten Heinrichs II. von Frankreich (s. Geist 10/1).

Z. 6 Er begehrte den freyen Durchzug durch die Stadt Metz – Der hier geschilderte Einzug der französischen Truppen unter Montmorency spielte sich am 10. April 1552 ab.

Z. 19 Podagra - „aus griech.-lat. podagra, fuszgicht, zipperlein“.[1] Anderes Wort für Gicht: eine Stoffwechselkrankheit, die zu akuten und chronischen Gelenkentzündungen führt.

Z. 33 selbsten = eigenhändig

 



[1] Grimm, Wörterbuch, Band 13, Sp. 1966, 42

 

 

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Z. 6 mächte – [sic], korrigiert in Geist b:möchte

Z. 7f des Cardinals von Richelieus. Geist 4/13

Z. 9f der Car=dinal ließ ... ansagen – Zu den geschilderten Ereignissen: Im Juli 1633 besetzten französische Armeen Lothringen zum zweiten Mal (nach 1632), diesmal dauerhaft.

Z. 10 dem damahligen Carl / Hertzogen von Lothringen – Zur Zeit des Kardinals Richelieu regierte in Lothringen Herzog Karl IV. (*1604; †1675).

Z. 19 das Ampt eines Mediatorn – Mediation (samt der dahinter stehenden Praxis der vermittelnden Konfliktschlichtung) hat in Europa eine über Jahrhunderte zurückreichende Tradition. Der Begriff lässt sich ableiten aus dem lateinischen Adjektiv ´medius´, das unter anderem auch die Bedeutung ´vermittelnd´ hat.

Z. 28 demolirung und Schleiffung der Vestung Oranien – 1622 hatte Moritz von Nassau die Stadt Orange mit einem modernen Festungsgürtel umgeben und auf der Colline St. Eutrope ein neues Residenzschloss errichtet. Im Holländischen Krieg (1672 bis 1678) eroberte Ludwig XIV. Orange und zerstörte Stadt und Festung.

Z. 35 Pasteyen = Bastei, Bollwerk

Z. 38f Stadt Straßburg – 1681 unterwarf sich die Stadt der französischen Krone (s. Geist 12/9)

 

 

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Z. 9f ein Vatterlands=Verräther ... zum Burgermeister / erwählet worden – Gemeint ist wohl die Rolle, die Dominikus Dietrich (*1620; †1692), Ammeister von Straßburg, spielen musste und die ihm als Verrat ausgelegt wurde. Aber: „Ludwig XIV. sandte 1681 mitten im Frieden Louvois mit 30,000 Mann gegen das wehrlose S. Nicht der Verrat einzelner Ratsmitglieder, wie das Volk meinte, nicht die Ränke des bestochenen Bischofs Egon von Fürstenberg, sondern die Erkenntnis der Aussichtslosigkeit jeglichen Widerstandes führte 30. Sept. die Übergabe der Stadt herbei.“[1]

Offen auf französischer Seite stand der in Straßburg 1663 von Ludwig XIV. eingesetzte Bischof Franz Egon Graf von Fürstenberg-Heiligenberg (*1626; †1682), der bis 1682 amtierte, abgelöst von seinem Bruder Wilhelm Egon Graf von Fürstenberg-Heiligenberg (*1629; †1704), Bischof von Straßburg 1682 bis 1704. Die beiden Fürstenberg-Brüder galten als französische Parteigänger (ausführlich dazu 25/14).

Z. 15 Monsieur de Louvois – Francois Michel Le Tellier, Marquis de Louvois (*1641; †1691), Kriegsminister Ludwig XIV., führte die Einnahme Straßburgs persönlich durch.

Z. 24 Nimwegischen Friedens – Mit dem Frieden von Nimwegen, geschlossen 1678/79, wurden der französisch-niederländische Krieg und mehrere damit im Zusammenhang stehende Konflikte beendet (s. Geist 68/14).

Z. 32 Pyrenäischen Frieden – Der Pyrenäische Frieden, geschlossen zwischen Frankreich und Spanien am 7. November 1659, war gedacht als Schlussstrich zwischen beiden Ländern unter alle Fragen, die nach dem Westfälischen Frieden offen geblieben waren.

Z. 33 dessen Preiß und Siegel – Zur Sicherung des Pyrenäenfriedens heiratete Ludwig XIV. am 9. Juni 1660 Maria Theresia, (*1638; †1683), geb. Infantin von Spanien, Tochter des spanischen Königs.

Z. 35 Schweher=Vatter = Schwiegervater.

Z. 37f Monsieur de Schom-berg – Friedrich (Hermann) Graf von Schomberg, eigentlich von Schönberg (*Ende Dezember 1615; †1690), seit 1674 Herzog, seit 1675 Marschall von Frankreich. Schomberg war ein deutschstämmiger Heerführer, der im Dienst verschiedener europäischer Herrscher stand. Für Portugal arbeitete er in den 1660er Jahren mit ausdrücklicher Unterstützung Ludwigs XIV. im sog. Restaurationskrieg, der 1668 mit der Loslösung Portugals von Spanien endete.



[1] Meyers Konversationslexikon (4. Auflage, 1885-1892), Band 15, S. 373, URL: www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=115382 [14.03.2011]

 

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